Erwacht aus dem Dornröschenschlaf: Lemberg

Presseschau
  • Erschienen am 01.08.2010
  • Zeitung: busblickpunkt, Ausgabe 08/2010
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Hartmut und Kirsten Wolff waren auf Paketer-Erkundungstour in Lemberg

Der Paketreiseveranstalter Wolff Ost-Reisen aus Furth im Wald ist der Spezialist für Ost-Reisen. Diesen Ruf hat er sich nicht nur durch viele, qualitativ hochwertige Gruppenreisen in Länder Osteuropas erworben, sondern auch durch seine Innovationen. Immer wieder spüren Kirsten und Hartmut Wolff verborgene touristische Schätze auf, die sie dann sorgsam heben und als Pakete an die Bustouristik weitergeben. So geschehen auch in diesem Jahr. Kirsten und Hartmut Wolff machten sich auf, die Schätze einer nahezu versunkenen Stadt zu heben: Lemberg. Hier kreutzen sich einst Schicksalswege Europas. Heute gilt Lemberg als die wichtigste Stadt der westlichen Ukraine und wird deshalb auch die heimliche Hauptstadt genannt. Was die beiden Touristiker auf ihrer Entdeckungstour erlebten, hielt Hartmut Wolff im Bild fest und Kirsten Wolff notierte ihre Eindrücke. (...)

Lemberg hatte in der Geschichte viele Namen: Lvov, Lviv, Lwow, Leopolis. Allein schon die unterschiedliche Namensgebung macht neugierig. Mit fast 760.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt der historischen Landschaft Galizien. Unsere Reiseplanung beginnt immer mit der Frage: Wie kommen wir hin? Wir entscheiden uns für das Flugzeug. Nach einem zweistündigen Flug kommen wir mittags in Lemberg an. Im Flughafen werden wir an unsere ersten Begegnungen mit osteuropäischen Ländern erinnert: ein sehr schönes, repräsentatives, aber klitzekleines Flughafengebäude empfängt uns. Alles ln einem Raum, Paß- und Zollkontrolle sowie Gepäckausgabe. Die Beamten sind sehr freundlich und wünschen auf Deutsch einen schönen Tag. Unsere Heimat für die nächsten vier Tage ist das Hotel Leopoldis. Ein neues, gepflegtes 4-Sterne-HoteI, das man so sicherlich nicht erwartet. Nicht nur die Zimmer überzeugen, sondern auch die k.u.k.-Küche im Restaurant — kein Wunder, der Chef-Koch ist Österreicher. Anschließend besuchen wir das Nationalmuseum, das nur drei Minuten zu Fuß entfernt ist und die größte Ikonen-Sammlung aus dem 14. bis 18. lh. der Ukraine beherbergt. Abends genießen wir ein typisches galizisches Abendessen in einem Restaurant auf dem Hohen Schlossberg, dem Hausberg Lembergs.

Am nächsten Tag widmen wir uns den sieben Wundern Lembergs, die sich auf einer ganztägigen Stadtbesichtigung erschließen. Schon bald ist uns klar, warum die UNESCO die Altstadt als Ganzes 1998 zum Weltkulturerbe ernannte. Wir befinden uns im alten Europa. durchlaufen und erforschen schöne Gassen, die nach ihren früheren Bewohnern heißen: z.B. Armenische, Jüdische oder Russische Straße. Es sind die Gegensätze, die die Stadt so liebenswert machen: dort noch bröckelnder Stuck und ausbesserungsbedürftiges Kopfsteinpflaster, hier das moderne Denkmal ,,PetroIeumIampe" in der Armenischen Straße, das den Erfinder des Petroleums, Lukasiewicz, darstellt. lm Apothekenmuseum verbergen sich wahre Schätze an Laborgeräten und in den Vitrinen, unglaublich, dass die Apotheke seit 1735 in Betrieb ist. Unterwegs die Armenische Kathedrale, die spätbarocke Dominikaner-Kirche, die Maria-Entschlafenskirche mit dem Kornjakt-Turm, dem Wahrzeichen der Stadt. Zwischendurch gönnen wir uns eine Kaffeepause im "Swit Kawy" — unglaublich, die umfangreiche Karte mit Kaffeevariationen und -sorten. Und der Blechkuchen — ein Genuss, (...)

Nun geht es streng in unserem Plan weiter, denn bisher haben wir mit dem Kornjakt- Turm und der Boim-Kapelle erst zwei der sieben Wunder gesehen. Es folgen die Kathedrale des HI. Georgs, in der Mozarts Requiem uraufgeführt wurde, das Potocki-PaIais, einer der schönsten Paläste Lembergs, mit der beeindruckenden Gemäldegalerie (u.a. von Goya), das ehemalige Adels-Casino mit einer unglaublich schönen Eichentreppengalerie mit Glasdecke und Marmorkaminen und die Andreas-Kirche, deren barocke Innenausstattung mit 15 Altären überrascht. Für abends haben wir uns das siebte Wunder aufgehoben - wir besuchen "Die Fledermaus" in der Oper. einem repräsentativen Bau im Stil der Wiener Neorenaissance. Fast überladen, doch passend das Spiegelfoyer. lm Opernhaus gastierten schon Künstler wie Liszt, Ravel, Caruso und Paganini - Europa lässt grüßen. Beim Bummel zurück ins Hotel fällt uns auf, wie viel auch abends noch in der lnnenstadt los ist: die Lemberger lieben ihre Stadt, überall stehen Parkbänke, die zum Verweilen einladen. Die Kneipenkultur wird gepflegt, auch das Lemberger Bier hat Tradition. (...)

Es ist spannend, informativ und überraschend, was für ein Kleinod sich mitten in Europa befindet. Der Umbruch ist überall zu spüren, es ist aber vor allem auch der Reiz, dabei zu sein, beim Erwachen aus dem Dörnröschenschlaf!

Denkmal für den Erfinder des Petroleums: Lukasiewicz St.-Georgskathedrale Innenraum der Lemberger Oper Lemberg Boimkapelle Fresko in der Armenischen Kathedrale