Die Ukraine als Reiseziel

Presseschau
  • Erschienen am 08.04.2016
  • Zeitung: Busmagazin, Ausgaben 4/2016
Drei Fragen an Kirsten Wolff - Geschäftsführerin von Wolff Ost-Reisen

BM: Wie stark sind bei Ihnen die Gruppenreisen in die Ukraine eingebrochen?
Kirsten Wolff: 2014 sind die Reisen leider fast völlig zum Erliegen gekommen und auch 2015 hatten wir nur wenige Gruppen nach Lemberg und Kiew. Dabei handelte es sich immer um wenige Nächte in Lemberg - meistens ausgeschriebene Reisen - oder Fluggruppen nach Kiew, die aber immer aus festen Gruppen bestanden: Politiker, Journalisten, Wirtschaftskammern, usw.

BM: Ist inzwischen ein Stimmungswechsel oder ein Aufwärtstrend zu spüren?
Wolff: Von einem Aufwärtstrend sind wir noch weit entfernt, wie spüren aber zumindest einen Hauch von "vermehrter" Nachfrage nach Galizien, also in die Westukraine. Es ist schade, dass die Medienberichte immer noch das ganze Land im Fokus haben und nicht regional differenzieren. Denn die Distanzen sind so riesig, die Entfernung von Lember nach Donezk beträgt zum Beispiel 1.200 km. Das Alltagsleben hat sich in den meisten Regionen wieder völlig normalisiert. Die Westukraine mit Lemberg und seiner K.u.K.-Historie ist nach wie vor bzw. wieder eine hochinteressante Destination, die in keinem anspruchsvollen Reiseportfolio fehlen sollte, und nur die immer wieder aufkommende undifferenzierte Medienberichterstattung über die Ukraine erschwert die touristische Vermarktung.

BM: Die Ukraine ist gespalten: die Krim ist annektiert, im Osten herrscht(e) Bürgerkrieg. Der Westen ist dagegen touristisch sehr attraktiv und friedvoll. Wie überzeugen Sie Ihre Kunden vom Reiseziel Ukraine?
Wolff: Selbstverständlich kommunizieren wir mit unseren Kunden, die auch sehr offen sind und die sachliche Argumentation verstehen. Vor allem, da die "Gesamttouristische Karte" im Allgemeinen im Moment von Jahr zu Jahr kleiner wird. Wir werden lernen müssen, dass das allgemeine Lebensrisiko steigt, und niemand mehr letztendlich irgendwo hunderprozentig sicher ist - das zeigt uns ja die aktuelle Entwicklung in den letzten Monaten. Letztendlich gehen wir davon aus, dass der Tourismus im Allgemeinen weiterhin bestehen wird, und nur zeitweise regional durch etwaige Ereignisse Einbrüche zu verzeichnen haben wird.