Warschau entdecken

  • Autor: Malgorzata Danecka u. Thorsten L. Hoppe
  • Verlag: Trescher
  • Erschienen: 01.01.2008
  • Zielgruppe: Reiseleiter, Reisegast
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Warschau ist nicht nur die Hauptstadt Polens, sondern auch mit Abstand die größte Stadt des Landes. Auf einer Fläche von rund 500 Quadratkilometern leben hier etwa 1,8 Millionen Menschen. Als eines der wichtigsten Verkehrs-, Handels- und Wirtschaftszentren Mittel- und Osteuropas gilt Warschau als Stadt der ehrgeizigen Aufsteiger. In rasendem Tempo werden an der Weichsel Unternehmen gegründet, und zahlreiche Neubauten schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Stadt beansprucht den Titel der zweitgrößten Baustelle Europas nach Berlin und ist genauso pleite. Der einst einsam in den Himmel ragende Kulturpalast in der Stadtmitte, verhaßtes Symbol der Unfreiheit, befindet sich seit nicht allzu langer Zeit in Gesellschaft spiegelglatter Wolkenkratzer. Viele Warschauer haben sich mit ›Stalins Torte‹, wie das Bauwerk im Zuckerbäckerstil auch genannt wird, mittlerweile versöhnt. Ein Zeichen hierfür ist die offizielle Anerkennung des Kulturpalastes als Architekturdenkmal im Jahr 2007.
Seit eh und je steht Warschau in Konkurrenz zu Krakau, der alten Hauptstadt Polens. Zwar ist der heutige Regierungssitz bestimmt nicht schöner, beansprucht aber wohl zu Recht, das wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes zu sein. Hier haben die Akademie der Wissenschaften und die Nationalbibliothek ihren Sitz, und diverse renommierte internationale Veranstaltungen wie der Chopin-Wettbewerb, das Festival moderner Musik ›Warszawska Jesień‹ und die nach Frankfurt zweitgrößte Buchmesse in Europa finden in Warschau statt.
Die Stadt ist voller Kontraste und Dissonanzen. Neben Monumentalbauten der Nachkriegszeit stehen schäbige sozialistische Wohnhäuser der Gierek-Ära, imposante Bauten vergangener Epochen kontrastieren mit der Architektur der Moderne. Dabei ist das Gros der Paläste, Schlösser und Bürgerhäuser in Warschau nicht älter als 50 Jahre. Dies trifft auch auf die nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruierte Altstadt zu, die Hans Magnus Enzensberger als ›großartigste Fälschung der Welt‹ bezeichnete.
Der Schlüssel zum Verständnis Warschaus liegt in seiner wechselvollen Geschichte. Die preußische und danach die russische Besatzung, blutig niedergeschlagene Aufstände und zuletzt das Drama während des Zweiten Weltkriegs haben in der Stadt Spuren hinterlassen und ihre Einwohner geprägt. Unzählige Gedenktafeln, vor denen häufig frische Blumen und Kerzen stehen, erinnern an die unzähligen Opfer des letzten Krieges.
Nach der ›Befreiung‹ Warschaus durch die Rote Armee im Januar 1945 war von der einst prachtvollen Stadt, die vor dem Krieg zu den zehn größten Metropolen Europas zählte, nicht mehr viel übrig. Etwa 80 Prozent der gesamten Bausubstanz fielen dem Krieg zum Opfer, so daß angesichts des Ausmaßes der Zerstörung sogar erwogen wurde, die Hauptstadt Polens nach Łódź (Lodtsch) zu verlegen. Doch dann entschied man sich für den Wiederaufbau, der bis heute noch nicht abgeschlossen ist.
Die touristisch interessantesten Viertel sind die Alt- und die Neustadt sowie der Königsweg einschließlich dem Łazienki-Park. Aber auch die barocke Palast- und Parkanlage in Wilanów, das ehemalige jüdische Viertel, die Architektur des sozialistischen Realismus, einige Plätze, Friedhöfe und Parks und immer stärker der Stadtteil Praga am rechten Weichselufer lohnen einen Besuch.
Von Warschau bieten sich mehrere abwechslungsreiche Möglichkeiten für Tagesausflüge in die Umgebung an. Kampinowski Park Narodowy, der ›Urwald‹ bei Warschau, einige historische Kleinstädte, Magnatenresidenzen und der Geburtsort Frédéric Chopins sind auf jeden Fall einen Ausflug wert.